Wenn die Welt zu groß wird … – Kritik Renee van Bavel

11. November 2013

Renee van Bavel - Foto PRDie Sängerin Renee van Bavel begeistert im Zimmer 16
von Gilles Chevalier

BERLIN – Ohne Vorrede kommt sie zur Sache, setzt sich ans Klavier und beginnt zu spielen. „Dein Sturm“ heißt der langsame Song mit der schönen Zeile „Erst wer sich verirrt, findet zurück nach Haus.“ Renee van Bavels Lieder finden an diesem Abend im Pankower Theater Zimmer 16 viele neue Zuhause – in den Herzen der begeisterten Zuhörer!

„Sieh nur, mein Liebster, so sehr kann ich versinken!“ Ein Zitat aus „Versinken“, einem Liebeslied der so typisch tiefen Art der Renee van Bavel. Überwältigende Gefühle lässt die Niederländerin an sich heran und konserviert sie in ihren Liedern. Ganz leise fängt dieses „Versinken“ an, ganz dicht am Mikrofon haucht van Bavel ihren Text, um Strophe für Strophe lauter zu werden. Diese hohe Dynamik in Gesang und Musik macht ihren Auftritt so interessant.

Erst kommt „Du bist das Schönste unter dem Himmel“, ein Liebeslied, das man sich kaum zärtlicher vorstellen kann. Dann das nächste Stück. Ein harter Schnitt mit hartem Klang. Jetzt werden die Töne nicht mehr in die Länge gezogen und es heißt: „Komm, mein Herz, gib es auf.“ Alle Leidenschaft und Treue hat keinen Sinn mehr: „Es ist gnadenlos Schluss!“ Van Bavel durchlebt den Schmerz der zu Ende gegangenen Liebschaft erneut, wenn sie dieses Stück spielt. Das macht ihre Lieder so bewegend.

Die großen Gefühle, das Geheimnisvolle und Märchenhafte, das sie beschreibt, berühren tief. Lustiges oder Politisches sucht man ihrem Repertoire vergeblich. Fasziniert von ihren Songs lauscht man atemlos. Van Bavel beherrscht die Klaviatur und ist eine Meisterin des langsamen Chansons: Erst füllt den Saal der Klavierklang. Entstehen dann freie Räume, holt sie tief Luft und füllt mit ihrer Stimme den Raum erneut aus.

An diesem Abend hat sich Renee van Bavel die Cellistin Sylvia Eulitz eingeladen. Sie setzt Akzente und begleitet sie bei ausgewählten Stücken. Bei „Sarah“ zum Beispiel, dem Chanson über eine Frau, die gerade Mutter geworden ist und spürt, wie sich dadurch ihr Leben ändern wird. „Die Welt kann jetzt kaputt gehen, sie wird hier am Bett stehen“, heißt es da und langsam schieben sich die dunklen Cello-Klänge immer mehr in den Vordergrund, bis sie sogar das Klavier verdrängen.

Die wohligen Klänge des Streichinstruments kommen auch bei „In meinem Versteck“ wunderbar zur Geltung. Mit zunächst aufwallender Klaviermelodie beschreibt van Bavel ihr Rückzugsgebiet, das ihr Geborgenheit schenkt. Immer ruhiger wird die Melodie, bis zur Textzeile „Wenn die Welt mir zu groß wird, bin ich hier in meinem Versteck.“ Dorthin wird sie sich hoffentlich nicht zu oft zurückziehen, denn auch an diesem Abend hat das Publikum Renee van Bavel gezeigt, wie sehr es ihre intensiven und intelligenten Chansons zu schätzen weiß.

© 2013 BonMot-Berlin Ltd.
Foto: Plakat Renee van Bavel

die nächsten Termine:
Do, 21. November 2013: Berlin, Renee van Bavel zu Gast bei den Brauseboys im La Luz
Mi, 11. Dezember 2013: Berlin, Deutschland-Holland-Konzert, Renee van Bavel und Andreas Albrecht im Haus der Sinne